Ein Artikel über Alan Rusbridger auf Spiegel online hat zwar bis jetzt “nur” 38 Beiträge im Forum ausgelöst, doch bieten diese mehr Inhalt als der weitschweifige Artikel selbst. Der Journalist des britischen Guardian Alan Rusbridger hat bei einem Besuch in Berlin die Journalisten deren Meinung zufolge frontal angegriffen:
“Als Alan Rusbridger jüngst nach Berlin reiste, hatte er vor allem ein Ziel: Provokation. “Viele Dinge wissen normale Menschen da draußen besser als Journalisten”, sagte er und lächelte sein Publikum kühl an. Vor ihm saßen fast ausschließlich Medienmenschen. Und je länger der Vortrag dauerte, desto unglücklicher wirkten manche.”
Diese These, dass der normale Bürger ebenso eine Meinung und auch Kenntnisse besitzt, ist nicht neu, wird jedoch von etablierten Journalisten nicht gerne gehört. Und, dass das Internet mit Blogs und Twitter den Journalisten heftig den Wind der Aktualität aus den Segeln nimmt, ist auch kein Geheimnis mehr, wie es das Beispiel des Flugzeugabsturzes in New York eindringlich zeigt, wo die Twittergemeinde schneller war und mehr wusste als der Tagesschau-Korrespondent vor Ort.
Ebenso ist nicht jeder Blog unprofessionell, wie es die Internet-Zeitung The Huffington Post und der dazugehörige Blog von Arianna Huffington zeigen.
Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Qualität. Tja, und da gibt es eine profunde Meinung eines Redakteurs, der im Spiegel-Online-Blog dazu schreibt:
“Leser sind natürlich nicht die ‘besseren Reporter’, weil sie meist nicht mal in der Lage sind, den Aufbau eines Artikels zu erfassen. Als Redakteur hat man dann seine liebe Mühe damit, den Artikel des Amateurs umzutexten.”
Wie schön, dass es noch Redakteure gibt, die Artikel korrigieren - eine aussterbende Gattung. Und zu dem “Amateur”, der vor allen anderen einen Flugzeugabsturz mit seinem Handy fotografiert, findet dieser “Redakteur”:
“Und ein mieses Amateur-Foto von einem abstürzenden Flugzeug ist besser als ein Profi-Foto vom bereits seit Stunden auf der Erde liegenden Wrack. Aber: Wie oft kommt es vor, daß jemand ein Flugzeug beim Absturz fotografiert?”
Tja, die Handy-Kameras sind keine Fotographie-Boliden. Und es gibt nicht viele Amateure, die sich ein solches Teil leisten können. Das dann jedoch als “mies” zu bezeichnen, ist zumindest missgünstig und überheblich, wenn nicht sogar mies.
Dieser Redakteur, der der Herr der deutschen Sprache zu sein scheint und der als Fotographen-Held mit Sicherheit schon den Pulitzer Preis für seine Fotos in der Sparte “Breaking News Photography” eingeheimst hat, wird wohl auch den Pulitzer Preis für einen seiner “umgetexteten” Artikel erhalten.
Nun noch ein kleines Wort zu dem Spiegel-Artikel selbst. Das schlagende Argument gegen die Blogger und für den “richtigen” Journalisten findet der Sohn des Spiegel-Gründers Augstein:
“Den eigentlichen Unterschied zwischen Bloggern und klassischen Journalisten sieht der Sohn des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein darin, dass Journalismus immer an eine Institution gebunden sei, die mit ihrem Namen für das Geschriebene oder Gesendete einstehe. Blogger für sich allein könnten da nicht mithalten.”
Eigentlich sollte so eine Aussage unkommentiert bleiben, weil sie noch missgünstiger und überheblicher ist, als die des Redakteurs. Die “Institution” macht also die Qualität und Glaubwürdigkeit des Journalisten aus – nicht etwa seine Leistung. Wenn das so ist (und wie könnte ich an den Worten Herrn Augsteins zweifeln), dann bin ich doch lieber schlechter Blogger als Lohnschreiberling beim Spiegel.
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